Zum Inhalt springen

Uruguayisch-Deutsche Gesellschaft für Außenpolitik

Home » Alle unsere Publikationen » 2023: Das Jahr der Zusammenarbeit im Bereich Klima zwischen Deutschland und Uruguay

2023: Das Jahr der Zusammenarbeit im Bereich Klima zwischen Deutschland und Uruguay

 

»Ich darf Sie, Herr Präsident, hier im alten Kanzleramt der Bundesrepublik Deutschland sehr herzlich willkommen heißen. Mein Willkommen gilt dem Präsidenten eines mit uns traditionell sehr befreundeten Landes Lateinamerikas.«

Mit diesen Worten wurde der ehemalige Präsident von Uruguay Julio María Sanguinetti (Partido Colorado) vom ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU/CSU) empfangen. Am 27. Juni 1987 im Palais Schaumburg in Bonn hat ein Mittagessen zu Ehren stattgefunden. Das war nur ein Besuch im Sinne der Diplomatie. Mehr als drei Jahrzehnte später hat sich die Lage jedoch tiefgreifend verändert. Nun, man kann also durchaus sagen, dass zwischen Deutschland und Uruguay nicht nur um Diplomatie geht, in enger Zusammenarbeit wurde systematisch die Beziehungen ausgebaut. Jetzt weiß Deutschland um die Bedeutung Uruguays als Energiepartner in der Zeit der Energiewende für die Außenpolitik zu nutzen.

Wenn Sie an Hamburg denken, denken Sie sicherlich an einen Hafen mitten in der Stadt. Das sind Parallelen zwischen Hamburg und Montevideo, die Hauptstadt von Uruguay. Hamburg hat vor einem Jahr eine Hafenkooperation mit Montevideo beschlossen. Eine gemeinsame Vereinbarung wurde unterzeichnet: der Mann, der das durch Gespräche hinter den Kulissen aus der Welt geschafft hat: Peter Tschentscher (SPD).

Beide Häfen stehen bereits seit dem Jahr 2005  in engem Kontakt. Damals wurde das erste Memorandum of Understanding unterschrieben, welches im Jahr 2013 erneuert wurde. Seit jeher existiert eine strategische Kooperation. Bisher ist es dabei geblieben — ein Beispiel für Kontinuität in der Außenpolitik über Regierungswechsel hinaus.

 

Die Wasserstoffstrategie der Bundesrepublik Deutschland: eine Folge des Konfliktes zwischen Russland und der Ukraine

»Gazprom ist eine militärisch-geheimdienstliche Waffe.« Unzählige Fachleute und selbst Diplomaten behaupten seit Jahren, der Kreml könne die Energiewaffe gegen Europa einsetzen. Eine typische Formulierung fand der Jurist, Jörg Himmerreich 2007:

»Früher waren es Panzer und Raketen, heute sind es Gas und Öl: Gezielt nutzt Russland seine Energieressourcen und die Abhängigkeit der Importländer als Instrument einer neuen Großmachtpolitik.«

Quelle: Handelsblatt

Im deutschen Fernsehen äußerte Claudia Kemfert, die Leiterin der Energieabteilung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Anfang April 2014 die Befürchtung, dass »wir in eine politische schwierige Situation kommen, in der Russland Energie als politische Waffe einsetzt. Nicht nur gegen die Ukraine, vielleicht sogar gegen Europa«. Als Gegenmittel forderte sie eine strategische Gasreserve und ein deutsches Flüssiggasterminal.

Aber etwas müssen wir berücksichtigen: Was passiert mit Russland? Wir können nicht über Dependenz sprechen, in der Tat müssen wir über Interdependenz sprechen. Die Schäden dieser Entscheidung, die Ölwaffe einzusetzen, hätten auch Rückwirkung auf die Russische Föderation.

Als Olaf Scholz (SPD) die Zeitenwende einberuft hatte, niemand weiß genau, welche wären die Folgen und die Dimension. Für den Wirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) war klar: Die Zeitenwende impliziert auch eine Energiewende. Deutschland würde sich neuen Tatsachen der internationalen Geopolitik gegenübersehen.

Deutschland hängt noch immer am fossilen Tropf und die Energiepreise steigen immens. Aber Bundesregierung zufolge wichtig ist es auch, die Klimaziele zu erreichen, aber auch muss man die Preise bezahlbar halten.

»Wasserstoff ist ein wichtiger Hoffnungsträger der Energiewende. Wenn Ökostrom bei seiner Herstellung zum Einsatz kommt, ist er äußerst klimafreundlich. Eingesetzt werden soll er dort, wo erneuerbarer Strom Öl, Erdgas oder Kohle kaum ersetzen kann. Doch für den Wasserstoff-Transport fehlt derzeit noch die Infrastruktur. Das soll sich nun ändern.«

Robert Habeck zufolge.

 

Uruguay als Teil von Habecks Wasserstoff-Netzwerk

Uruguay, das zweitkleinste Land Südamerikas, besitzt ein großes Potenzial, Energie nach Deutschland zu transportieren. Aufgrund seiner geografischen und klimatischen Lage ist Uruguay eines den favorisierten Ländern für die Herstellung von grünem Wasserstoff, da erneuerbare Energien zahlreich und zu günstigen Kosten vorhanden sind.

Der Grundstein des Wasserstoff-Netzes ist der Hafen von Montevideo

Hafen von Montevideo

Südamerika ist nach wie vor eine der wichtigsten Regionen für den Hamburger Hafen.

Das Auswärtiges Amt und Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher: Mission der Reise sei neue Partnerschaften im Energiesektor


Wirtschaftsminister Habeck zeigt eine Karte des geplanten Wasserstoff-Kernnetzes Foto: Michael Kappeler / dpa

Uruguay hat sich in dem letzten Jahrzehnt erfolgreich von einem Nettoimporteur fossiler Energie zu einem Nettoexporteure hauptsächlich grüner Energie entwickelt. Aus diesem Grund hat das Land das Potenzial, seine Wirtschaft vollständig zu dekarbonisieren und sich weltweit als Produktionsstandort von grünem Wasserstoff zu platzieren. Die Regierung Uruguays hat einen Fond für Grünenwasserstoff ins Leben gerufen, um eine Wasserstoffstrategie voranzutreiben.

„Die Häfen von Hamburg und Montevideo können dazu beitragen, grüne Energie von Südamerika nach Europa zu transportieren“

Sagte Peter Tschentscher. Wenn Europa heute im Begriff ist, eine neue wirtschaftliche Qualität zu erlangen, so ist das ihm zu verdanken. Die Gewichte, mit denen Deutschland balanciert, findet sich in allen Bereichen der Geopolitik: zwischen China und Russland, aber auch zwischen Diplomatie. Das Auswärtige Amt weiß um die Kapazität der chinesischen Diplomatie, insbesondere in Lateinamerika und Afrika. Es wäre ein gefährlicher Irrweg, dies nicht richtig einzuschätzen. Während die USA und die Europäische Union versuchen, die internationale Ordnung zu modernisieren, ist China bereits einen Schritt voraus. Neben der ökonomischen hat Chinas Annäherung an Lateinamerika auch eine politische Komponente.

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (links) im Hafen von Montevideos mit dem Hafenleiter (rechts)

Aus der Wende und ihrem hektischen Manöver heraus hat Deutschland diese Kontinuität aus der Zeiten des Bundeskanzlers Kohl erst gerettet und dann auf ihrer Grundlage die Außenpolitik weiterentwickelt. Die Waffe, die in Südamerika eingesetzt wurde: der Hafen von Montevideo, eine diplomatische Meisterleistung.